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Das Sasse-Theater e. V. ist
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In geheimer Mission

Schwäbische Post - Heidenheimer Neue Presse - Heidenheimer Zeitung

 

 

Schwäpo

THEATER / Sasse-Theater Schnaitheim "In geheimer Mission" unterwegs
Die Botschaft der Hormone

"Na, was macht dein Hormonspiegel?" Dieser Satz, sollte man meinen, geziemt sich nicht für einen amerikanischen Botschafter im englischen Königsreich. Auch nicht, wenn sich dieser gerade auf dem Schreibtisch räkelt. Im Schnaitheimer Sasse-Theater ist dieser Tonfall allerdings gerade Usus: gespielt wird Michael Parkers "In geheimer Mission".

Harry Douglas (Robert Makowitzki) ist erst seit kurzem Botschafter, die Reize des Jobs hat er aber bereits entdeckt: Golfen in Schottland, ein beflissener Butler und mit Marion Murdoc (Sabine Reiner) eine hinreißende Nachbarin. Auch seine Frau Elaine (Gabriele Del-Becaro) und seine Schwester Debbie (Marion Hessenauer) haben die Vorzüge neuer Kontakte schon entdeckt. Allesamt planen sie - unabhängig voneinander - ein Wochenende auf höchstem hormonellem Niveau. Und nur Butler Perkins (Stefan Köck) ahnt, was sich da zusammenbraut.

Als plötzlich der Sicherheitschef Captain South (Michael Waibel) nach einer Bombendrohung den Landsitz zur Festung ausbaut und gleich noch die umwerfend schusselige Sekretärin Faye Baker (Sieglinde Broich-Bernt) mitbringt, ist das Chaos perfekt. South riegelt nämlich das Anwesen ab und sperrt damit Bewohner wie Liebhaber und -innen kurzerhand mit ein. Keine Frage also, dass Butler Perkins im wahrsten Sinne des Wortes bald alle Hände voll zu tun hat, wenn Faye an ihm klebt und der jugendliche Lover Joe (Volker Schnabel) zur rosaroten Josephine wird. In der Version des Sasse-Theaters (Regie: Regine Czichon und Anett Hartmann) hat das Stück ungemeinen Schwung. Wichtigstes Requisit sind vermutlich die Klinken an den insgesamt sechs Bühnentüren, durch die permanent jemand raus oder rein rennt. Dabei gelingt das Kunststück, die Bühne das komplette Stück über unverändert zu lassen - und trotzdem entsteht der Eindruck eines weit verzweigten Landsitzes.

Dargeboten wird "In geheimer Mission" von einem Ensemble ohne Schwächen, in dem insbesondere Robert Makowitzki als "geiler Harry" und Stefan Köck als Butler beeindrucken. Nicht minder fesselnd sind das enorme Tempo und die Dynamik des Spiels, dem am Samstag gar eine Tür zum Opfer fiel. Und angesichts einer hohen Pointendichte vergehen die rund anderthalb Stunden Theater wie im Sturzflug.

Jens Eber

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Heidenheimer Neue Presse (21.11.06)

Hormongeschmiertes Theatermaschinchen

„In geheimer Mission“: Frisch ausgebaute Sasse macht ordentlich Spaß mit einer herrlich ausgefeilten szenischen Nichtigkeit

„Wir sind auf Hirn gestoßen“, heißt es in einem Dialog. Das könnte bezieht sich, in ironischer Dialektik, auf eine Figur, könnte aber auch das Stück insgesamt meinen. Und doch: Michael Parkers „In geheimer Mission“ ist ein (mit synthetischen Hormonen) bestens geschmiertes, hochpfiffig konstruiertes Bühnenmaschinchen, das in Schnaitheims grosszügig und dennoch unverändert schnuckeligem Theaterchen in besten Händen & Hirnen ist. Gespielt wird der pure Quatsch – der einen Riesenspaß macht, volle zwei Stunden lang. Auch deshalb, weil die Sasse wieder einmal brillante Charakterköpfe zu integrieren weiß.

Wenn man Spieler hat wie Stefan Köck und Robert Makowitzki, ist das für ein Amateurtheater zunächst einmal ein Glücksfall. Aber so banal die Situationskomödie ist – die Sasse hat daraus, dank sorgfältigen Arbeitens über mehr als ein halbes Jahr, eine durchweg höchst vergnügliche Inszenierung gemacht.

Spielleiterinnen sind Regine Czichon und Anett Hartmann assistiert von Rita Ruoff: Es ist einfach eine Freude, zu sehen, wie überlegt (fast) jede Geste, jeder mimische Ausdruck sitzt und passt. Da sind viele Details, auch abseits des eigentlichen Dialogs, die merken lassen, dass man sich nicht auf die (vermeintlich selbstläuferische) Komik absurder Situationen verlässt: Das alles muss ja hergeleitet werden, soll es als theatralische Veranstaltung in aller Spasshaftigkeit ernst genommen werden.

Und die drei Regisseusen schaffen es so auch, ein überzeugendes Bühnenganzes zu schaffen, dem man gerne verzeiht, dass einige der insgesamt acht Darsteller spielerisch teilweise erhebliche Schwächen aufweisen.

Die Sasse ist ein Theaterverein, der im Laufe seiner stattlichen Geschichte eine ganze Reihe vorzüglichster Inszenierungen zu Stande gebracht hat – alles komplett mit Amateurdarstellern, die in ihrer Freizeit einem sehr zeitaufwändigen Hobby nachgehen. Der Amateurstatur aller Beteiligten schafft da einen Gutteil des Reizes: Und wenn Unterschiedlichkeit in der spielerischen Bravour, wie in diesem Fall, unübersehbar ist, mag man das an dieser Stelle einfach wertfrei konstatieren; Gut’ Theater fällt nicht vom Himmel. Das Lernen und Aufsagen von Dialogen, wie bei Gelegenheitsaufführungen etwa von Sportvereinen häufig üblich, ist ja eigentlich erst der Anfang.

Nun darf man Bauchstücke wie vorliegendes nicht verkopfen; und das Team läuft da auch gar keine Gefahr. Solidität von Inszenierungen und Spaß am Rundlauf der eigentlich hanebüchenen Aktion bedingen sich hier auf das Allererfreulichste.

Am meisten Spaß macht natürlich Mienenspiel des englischen Butlers: Das typische Sasse-Gewächs Köck, ehedem Heidenheims Vorzeige-Deutschrocker, gibt mit seiner minimalisierenden Mimik, die oft mehr sagt als wortreiche Sätze, komischste Kommentare. Meist scheinbar unbeteiligt, da „diskret“, ist er doch erste Identifikationsfigur für das Publikum: Köck stellt einen leisen In-Sich-Schmunzler dar, dem nix Menschliches fremd ist – und sei es noch so absurd. Sein Augenspiel, seine Mundpartie sind viel komischer als auftretende Unterhosen, peinliche Hinternklopfer oder Busendrücker . . .

Das größere mimische Talent hat eigentlich Makowitzki, der in der Rolle des Botschafters auch die bessere Gelegenheit hat, dies auszuspielen. Er ist der absolut unterleibsgetriebene Oberschichtler, der bei solchem Klamauk sich auf feineres Psychologisieren gar nicht erst einzulassen braucht; und, naja, eine gesellschaftliche Exzellenz stellt er auch nicht unbedingt dar. Aber sein fliegender Wechsel vom unkontrollierten Möchtegern-Penetrierer zum ertappten Unehren- und Ehemann ist eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe; und er ist agiler Motor des hochtourigen boulevardeske Theatermaschinchens.

Gabriele Del-Becaro, Sasse-Vorstand Michael Waibel, Siglinde Broich-Bernt, Marion Hessenauer, Volker Schnabel und Sabine Reiner sind die weiteren sechs Spieler, die mal mehr, mal etwas weniger gut gefallen, jedenfalls gut eingepasst sind in eine insgesamt hinreißende Ensembleleistung.

Manfred Allenhöfer

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Heidenheimer Zeitung (21.11.06)

Heftige Stürme in der sturmfreien Bude

Starke Typen für die Rollen: Die Schnaitheimer Version der englischen Boulevard-Komödie überzeugt.

Sofa, Kommode, Schreibtisch und Stuhl. Schlichte Mittel genügen, um die benötigte Kulisse eines noblen englischen Vorstadthauses mit Gartenblick zu zeigen. Ein paar Möbel und – ganz wichtig – sechs Türen, die zu den wichtigsten Requisiten in der Inszenierung von Michael Parkers Boulevard-Komödie „In geheimer Mission“ gehören. Regie führen Anett Hartmann und Regine Czichon im erst kürzlich renovierten Schnaitheimer Sasse-Theater.

Harry, der Botschafter, hatte sich eigentlich alles ganz einfach vorgestellt. Ehefrau Elaine (Gabriele Del-Becaro) sowie Schwester Debbie (Marion Hessenauer) würden übers Wochenende verreisen. Er könnte trügerisch vorgeben, das Wochenende beim Golfen in Schottland zu verbringen und hätte sein Landhaus vor den Toren Londons ganz für sich. Für sich und seine Geliebte, die Nachbarin Marion. Wäre da nicht Perkins, dessen Rolle Stefan Köck geradezu meisterhaft auf die Bühne bringt. Steif, kantig und korrekt, wie man sich den britischen Butler vorstellt.

Dieser sichert Harry, der Angst vor dem Bekanntwerden seines anvisierten Seitensprungs hat, „vollste Diskretion“ zu. Doch nicht nur ihm. Denn auch Debbie hat ihren jugendlichen Freund Joe, den Reisebüroagenten, eingeladen. Was folgt, ist das, was folgen muss: Die ursprünglich geplanten Wochenend-Affären kollidieren.

Joe will flüchten, doch plötzlich taucht Captain South vom CIA auf. Gespielt von Michael Waibel, beweist auch der Captain die durchweg treffende Rollenbesetzung des Premierenstücks. Militant-martialisch verkündet der Geheimagent, dass die Botschaft eine Bombendrohung erhalten habe. „Plan M triff in Kraft.“

Die Geschäfte laufen daher in Harrys Privathaus weiter, und als dieser gerade davon erfährt, marschiert auch schon seine fleißige, aber in ihrem tollpatschigen Eifer eher überforderte Sekretärin Faye Baker, überzeugend dargestellt von Siglinde Broich-Bernt, ins Zimmer, um mit der Arbeit zu beginnen.

Der attraktiven Marion wird die Sache zu viel. Auf sichere Weise gespielt von Sabine Reiner, will die hübsche Geliebte zurück nach Hause, kommt aber nicht mehr von dem vom Geheimdienst abgeriegelten Gelände. Als der CIA-Agent eine allgemeine Personenkontrolle anordnet, gibt sich Marion unfreiwillig als Hausmädchen aus.

Das Versteckspiel mit einigen erheiternden Missgeschicken und Verwechslungen wird immer verworrener. Als die Nacht einbricht und sich sämtliche Akteure auf verschiedene Schlafplätze verteilen müssen, dringt auf durchaus unterhaltsame Weise Erotik ins Geschehen. Und im Labyrinth der Gefühle dreht sich alles um Hausherr Harry, den zu den zu verkörpern Robert Makowitzki auf erstaunlich vielseitige Art gelingt. Mal ganz zärtlich, lüstern und liebestoll, mal bestimmend und cholerisch, dann wieder als peinlicher Trampel, der sich vom männlichen Trieb gesteuert sogar in „Josephine“ verliebt.

Die wiederum ist aber nicht die burschikose Dame, für die sie sich ausgibt, sondern der verkleidete Joe – mit Volker Schnabel ebenfalls eine passende Besetzung –, der nicht entdeckt werden will.

Als die Ehefrau Elaine wieder nach Hause kommt und schockiert von den vor sich gehenden Geschehnissen Kenntnis erlangt, nimmt die Geschichte mit all ihren Techtelmechtel und Flirts noch eine Wendung. Perkins kann mit Hilfe der Macht der Gefühle für seine „Magnolienblüte“ Miss Baker aus seiner emotionslosen Butler-Rolle schlüpfen – und auch an Elaines Seite gesellt sich wieder zärtlich ein männliches Geschöpf – allerdings nicht Harry.

Ein Happy-End auf seine Weise. Komisch, überraschend und erheiternd boulevardesk. Einfach englisch eben.

Wolfgang Meisen

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„Seien Sie nie mit einer einzigen Meinung zufrieden.“

George Bernhard Shaw

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