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Das Sasse-Theater e. V. ist
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Kunst

Schwäbische Post - Heidenheimer Zeitung - Heidenheimer Neue Presse

 

 

Schwäpo (23.3.07)

Drei Männer sehen weiß

Es heißt, echte Männerfreundschaft halte ewig, sei beständig gegenüber kleinen Reibereien und Eifersüchteleien. Dass genau dies nicht stimmt, ist jetzt auch im Sasse-Theater in Heidenheim-Schnaitheim zu sehen: in Yasmina Rezas Stück "Kunst".

Im Mittelpunkt stehen drei enge Freunde, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Marc (Gerald Becker) ist ein Prinzipienreiter mit eng gefasstem Horizont, während Serge (Manuel Meiswinkel) Grenzen kaum zu kennen scheint. Yvan (Armin Dömel) schließlich hat alle Mühe, sein Dasein in exakten Bahnen zu halten; die Logik seines Lebens heißt "Heirat, Kinder, Tod". Marc platzt der Kragen, als Serge für ein Vermögen ein Gemälde kauft: weiß, mit einigen hauchzarten weißen Streifen. "Weiße Scheiße", urteilt Marc und ist mehr als eingeschnappt, dass auch Yvan sich erklärtermaßen nicht abgestoßen fühlt von dem Bild. Mag schon der Kauf eines solchen Werkes schwer verständlich sein - der Frust des Freundes ist es definitiv. Wie so oft trifft die Wut insbesondere den vermeintlich Schwächsten: Yvan, der schon mit der bevorstehenden Hochzeit und den Untiefen seiner Familie zu hadern hat. Yvan ist es am Ende aber auch, der Rückgrat bewahrt.

"Kunst" spielt das Sasse-Ensemble erstmals nicht im gewohnten Saal, sondern im 2006 neu gebauten Foyer, das sich einwandfrei als Kleinkunstbühne empfiehlt, auch wenn die unmittelbare Nähe zu den Akteuren zunächst ungewohnt ist. Obwohl die Versuchung sicher nahe lag, aus der Vorlage der französischen Autorin Yasmina Reza eine Klamotte mit lauten Trampeln zu machen. Genau dies haben die beiden Regisseurinnen Claudia Becker und Regine Czichon aber tunlichst vermieden. Zwar darf ihr stark agierendes Trio auch etliche Pointen ansteuern, die Charaktere sind aber sehr vielschichtig gezeichnet. Wenn etwa Marc im Verlauf des Stücks seinen Globuli-Konsum gewaltig steigert, zeigt das auch das Wahnhafte seiner Prinzipien. Und als die Freundschaft erst einmal erschüttert ist, legen alle drei ihre Macken dar, die sie offenbar nur im Geflecht ihrer Beziehung im Zaume halten können. Darin könnte allerdings für den Zuschauer die Schwierigkeit der Inszenierung liegen: "Kunst" erfordert hier große Konzentration. Der anspielungsreiche Text steckt voller Hintersinn und vieles wird nur über ein Stirnrunzeln gesagt. Wer freilich bereit ist, auch einmal über höchst menschliche (also eigene) Eitelkeiten zu schmunzeln und mitunter unverhofft in einen Spiegel zu schauen, der liegt mit "Kunst" in der Sasse genau richtig.

Jens Eber

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HZ (20.03.07)

Sasse-Theater Schnaitheim: „Kunst“ hatte Premiere -Spaß mit Zwischentönen


Was ist jetzt also Kunst? Bergpanorama und Wiesenpracht in Öl? Oder etwa die perfektionierte Interpretationsfreiheit einer weißen Fläche? Darüber lässt sich streiten, und das tun die drei Figuren in „Kunst“, dem Stück der Französin Yasmina Reza, das am Samstag in der Version des Sasse-Theaters seine gelungenen Premiere hatte.

Erstmals spielt die Sasse im neu gebauten Foyer, das sich als prima Kleinkunstbühne erweist und den Zuschauer sehr unmittelbar Zeuge des Geschehens werden lässt.

Da ist zunächst Serge (Manuel Meiswinkel), der seinem alten Freund Marc (Gerald Becker) ein Bild zeigt, das er für ein Vermögen erworben hat: Weiß ist es, komplett weiß, mit einigen – weißen – Streifen. „Weiße Scheiße“, urteilt Marc knapp, lacht bitter und steigert sich in hasserfüllte Ablehnung hinein.

Weil nicht Kunst sein darf, was Marc nicht für Kunst hält, gerät die Freundschaft ins Wanken. Als auch noch Yvan (Armin Dömel), der dritte im Bunde, eingesteht, das Bild nicht rundweg abzulehnen, ist Feuer unterm Dach.

Marc attackiert Serge in Sachen Kunst, der wiederum findet Marcs Frau „runzlig“, und auf Yvan wird herumgehackt, weil er von Braut, Mutter und Stiefmutter auf sich herumhacken lässt, was auf der Bühne in einen sehenswerten Monolog dieses verkrampften Verlierers gipfelt.

„Kunst“, das 1994 uraufgeführt wurde, würde sich prima als unterhaltsame Klamotte eignen, doch das Stück hat eben auch das Potenzial, drei völlig unterschiedliche Charaktere mit ihre Macken und Ängsten darzustellen, die scheinbar alles verlieren, wenn die Freundschaft erst bröckelt.

Und genau diesen Weg sind die Regisseurinnen Claudia Becker und Regine Czichon gegangen. Sie lassen der Komik dieses Streits zwar immer wieder freien Lauf, ihre Inszenierung lässt aber auch Raum für Zwischentöne. Im sich immer weiter verheddernden Beziehungsgeflecht wird auch der Schlagabtausch immer schneller, der beim Zuschauer einige Konzentration erfordert, da mit steigender Verwicklung auch der Redefluss der Akteure zunimmt.

Zudem ist Selbstironie gefragt, denn allzu weit hergeholt sind die im Stück konzentrierten Marotten nicht: Wer hat nicht schon über Kunst gelästert – oder über genau jenen Freund, der gerade nicht im Raume war!

Über die Sasse-Inszenierung des bereits auf allen Kontinenten erfolgreichen Stücks gibt es indes wenig zu lästern, die macht nämlich Spaß und ist nicht halb so monochrom wie das aufreizende Bild auf der Bühne.

Jens Eber

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HNP (20.03.07)

Hintersinniges Spiel mit Klischees
Das Schnaitheimer Sasse-Theater traute sich, auf neuer schmaler Bühne, an Yasmina Rezas welterfolgreiche Komödie „Kunst“


„Für diese Scheiße hast Du 200.000 bezahlt?“ Yasmina Rezas Erfolgsstück „Kunst“, das am Samstag auf einer neuen Bühne der Schnaitheimer Sasse Premiere hatte, handelt von Klischees. Und handelt selber wie Klischees: Denn es liebt das Plakative, das scheinbar eindimensional Zuspitzende, das populistisch Platte. Aber: Es spielt damit, verfremdet, ironisiert – das scheinbar Platte hat es in sich. Das macht den Umgang mit diesem Stück über ein absolut weißes Gemälde und über Freundschaft und über die Macht des Diskurses so schwierig. Das Pariser Intellektuellenmilieu war für die Schnaitheimer eine echte Herausforderung.

„Kunst“ ist ein Drei-Männer-Stück. Drei gebildete Freunde diskutieren über Kunst, über Empfinden – und damit über sich. Und über Verhältnisse – zueinander und zu Dingen, etwa zur Kunst. Das Stück ist szenisch und es ist episch, mit direkter Ansprache an das Publikum; und es ist immer wieder schillernd plakativ, betont bedeutungsschwanger – und es ist dabei immer mehrbödig. Diese Dialektik von taktischer Trivialität und integrierter Komplexität, die den besonderen Reiz von Rezas Welterfolg ausmacht, ist nicht leicht umzusetzen.

Das beginnt, insbesondere bei einer Amateurbühne, mit der Wahl der drei Schauspieler, die hier ja nicht nur „spielen“ sollen, sondern auch (an)sagen, sein – und schweigen. Auch mimisch wird ihnen einiges abverlangt; und mit Augenrollen ist es da nicht getan. Mit dem Sasse-Eigengewächs Gerald Becker und mit dem Naturtheater-erfahrenen Manuel Meiswinkel sind zwei sehr versierte, gut differenzierende Spieler bei der Hand, die die Freunde Marc und Serge, einen Arzt und einen Ingenieur, konturiert abzubilden wissen. Der Prototyp des weltstädtisch blasierten Intellektuellen, unter dessen Oberfläche ein sehr verletzliches Ego steckt, ist freilich schwer greifbar. Aber sie liefern zwei in sich weithin stimmige Charaktere, die sich beharken – und doch um ihre Freundschaft kämpfen, ggf. unter (scheinbarer) Aufgabe der 200.000-teuren „Kunst“.

Neben ihnen hat es Armin Dömel als schon von der Rolle her schwächstes Mitglied der Freundes-Trias nicht einfach; doch der von Königsbronn her bekannte Spieler wuchs über sich hinaus und fand zu neuer, gesteigerter Differenzierung.

Die Drei agieren auf einer ambulanten, schmalen Bühne im neuen Foyer des Sasse-Theaters, wo auch für die Zuschauer gerade mal vier Sitzreihen hintereinander möglich sind - das ermöglicht eine neue Intimität des Theatralischen. Die Akteure stehen unmittelbar vor dem Publikum, das jedes Detail von Ausdruck oder Ausstattung greifbar nahe hat – bis hin zum Zahngold.

Das Regieteam ist dreiköpfig – die männliche Trias auf der Bühne wird geführt von drei Frauen, von Claudia Becker und Regine Czichon sowie von Gaby Rieck. Die haben, man merkt es, mit „ihren“ Männern hart gearbeitet, gefeilt an der für die Sasse untypisch unvolkstümlichen Sprachführung, auch an der gestischen, mimischen und räumlichen Plausibilisierung des Personals. Das komische Element dieser „Kunst“ kam nicht zu kurz, bei der Premiere wurde viel gelacht. Dabei wäre Schmunzeln gelegentlich vielleicht die eher stück-adäquate Reaktion gewesen.

Entsprach die geringe Tiefe von Bühne und Auditorium nun einer solchen der Schnaitheimer Inszenierung? Nein, dies zu behaupten wäre ungerecht. Doch man darf schon meinen, dass Tiefen wie Untiefen des Stückes nicht einfach auszuloten sind und redliche Mühe allein das intellektuelle Spiel der klugen Autorin noch nicht bewältigt.

Ist das also ein verbrämter Verriss, eine versteckte Kritik an der „Kunst“ der Sasse? Mitnichten: Schön, dass der Theaterverein in Schnaitheim sich mittlerweile selbst an solch gewichtig-luftige Stücke wagt; und die samstägliche Premiere zu verfolgen war ein Vergnügen. Aber das Team, das erkennbar hart gearbeitet und engagiert gespielt hat (textliche Unsicherheiten seien gar nicht angesprochen!), ist an Grenzen gestoßen.

Und das war gut so. Wirklich: Gut!

Manfred Allenhöfer

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„Seien Sie nie mit einer einzigen Meinung zufrieden.“

George Bernhard Shaw

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