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Männerhort

Heidenheimer Zeitung - Schwäbische Post - Heidenheimer Neue Presse

 

HZ (06.11.07)

Fußball, Bier und Ruhe

Starke Besetzung, spritziges Stück: die Komödie „Männerhort" überzeugte bei ihrer Premiere


Sie sind die Verlierer der Konsumgesellschaft: Männer. Schwer beladen mit Einkaufstüten und Langeweile traben sie hinter ihren Frauen durch die Einkaufszentren der Welt; entnervt, entwurzelt, entmännlicht. Ein Refugium muss her, ein „Männerhort" mit Fußball, Bier und Ruhe. Das gleichnamige Stück von Kristof Magnusson hatte am Samstag im Schnaitheimer Sasse-Theater Premiere.
„Shopping? Scheiße!", sagen sie, und: „Die Schloss Arkaden sind unser Kreuzgang." Eroll (Ulrich Bossert), Lars (Peter Hessenauer) und Helmut (Stefan Köck) haben sich ihren Rückzugsraum erkämpft. Nach fünf Stunden Einkaufen mit den Frauen verdrücken sie sich unter allerlei Vorwänden in den Heizungskeller unter dem Kaufhaus und atmen durch: Bier gibt es hier palettenweise, ein gemütliches Sofa, Handy-Ladestationen und Fußballposter - alles, was Mann braucht. Und keine Schuhverkäufer.

Der „Playboy" liegt unbeachtet herum, diese Leidenschaften scheinen „weggeshoppt". Ihre Energie verwenden die drei vielmehr auf das Basteln einer Kette aus Bierdosennippeln, die ihnen den Eintrag im Guinessbuch bringen soll.

Das Kelleridyll wird erst gefährdet, als Brandschutzexperte Mario (Michael Waibel) das Trio aufstöbert. Doch der vermeintliche Unruhestifter ist einer von ihnen: zermürbt von Parfümerien und Bastellädchen. Mario hat sich eine „Formel-1-Formel" ausgedacht, die das samstägliche Shopping-Martyrium auf ein Zehntel reduzieren soll. Allein das bringt noch mehr Ärger ein.

Dass der „Männerhort" nicht als bloßer Klischee-Schlagabtausch endet, liegt einerseits am sehr spritzigen Stück des jungen Hamburgers Magnusson, das sich so gar nicht vor deutlicher Sprache fürchtet. Andererseits haben die beiden Sasse-Regisseure Dorit Zabka und Ulf Koepsel eine sehr starke Besetzung gefunden: Ulrich Bossert darf als Eroll herrlich breit schwäbeln und ansatzweise den Versteher seiner „Conny" geben. Stefan Köck als Pilot Helmut ist dagegen kurz vor der Explosion, was ihm auch permanent (und sehenswert) die Gesichtszüge entgleisen lässt. Die von Peter Hessenauer verkörperte „Führungskraft" Lars verfällt zusehends zwischen der suizidalen Gattin und den Misserfolgen bei Internet-Bekanntschaften, und Michael Waibels Mario steigt lieber in Frauenklamotten als einmal „Liebe" zu sagen.

Den vier Darstellern glückte bei der mehr als gelungenen Premiere exzellentes Timing: sie konnten die Pointen wie am Schnürchen abfeuern und ebenso gekonnt zwischen ungezählten leeren Bierbüchsen nur verzweifelt ins Leere starren. Man konnte beinahe Mitleid bekommen mit den gequälten Geschöpfen, deren Hoffnung in diesem Satz gipfelte: „Es kommt nicht darauf an, wie man einkauft, sondern wie man ist, wenn man nicht einkauft."

Das rund zweistündige Vergnügen wurde mit verdientem Applaus belohnt.

Jens Eber

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Schwäbische Post (05.11.07)


THEATER „Männerhort" feierte im Heidenheimer Sasse-Theater Premiere
Lieber im Keller als im Schuhladen

Es geht um Geschöpfe, die lieber im Keller hausen, als nur einen weiteren Schuhladen von innen zu sehen: um Männer, entnervt von Gewaltmärschen zwischen Parfümerien und Schmuckgeschäften. Am Samstag hatte „Männerhort" im Sasse-Theater Premiere.

„Es kommt nicht darauf an, wie man einkauft, sondern wie man ist, wenn man nicht einkauft." An diesen Satz klammern sie sich am Ende ihres Leidens, doch am Anfang steht die Flucht: Informatiker Eroll (Ulrich Bossert), Pilot Helmut (Stefan Köck) und „Führungskraft" Lars (Peter Hessenauer) haben sich im Heizungskeller eines Einkaufszentrums ihr Refugium eingerichtet: Fernseher, Sofa, ein Tisch aus Bierdosenpaletten jede Menge Handy-Ladestationen und weit und breit kein Schuhverkäufer. Was braucht Mann mehr zum Glück? Die Frauen fehlen ihnen zwar irgendwie, aber die wollen sowieso nur Shoppen.

Das Kelleridyll gerät ins Wanken, als Brandschutzexperte Mario (Michael Waibel) in die Katakomben stolpert. Der jedoch findet in dem Trio Verbündete: Seine ausgetüftelte „Formel-1-Formel" soll helfen, die samstägliche Odyssee auf ein Zehntel zu reduzieren. Doch sie schlägt bald fehl und die Frauen rotten sich zusammen.

Bei einem solch subjektiven Blick auf das geschlechtsspezifische Einkaufsverhalten hätte „Männerhort" leicht in Klischees ersaufen können. Dass dies nicht geschieht, liegt zum einem am sehr spritzigen und mit großartigem Dialogwitz ausgestattetem Original des jungen Hamburgers Kristof Magnusson. In der Hauptsache aber überzeugt in der Sasse ein sehr starkes Ensemble, das die teils recht derben Dialoge glaubwürdig und mit stets richtigen Tempo rüberbringt: einerseits überschlagen sie sich fast in ihrer Verzweiflung, dann starren sie sekundenlang verzweifelt auf ihr Sammelsurium aus leeren Bierdosen und Pizzakartons. Mit diesen gezielt eingesteckten Bremsklötzen haben die Regisseure Dorit Zabka und Ulf Koepsel dem Stück einen echten Gefallen getan.

Wenn etwa Helmut griesgrämig an einer Kette aus Bierdosennippeln bastelt, beginnt das Publikum fast automatisch zu glucksen. Die Höhepunkte sind aber die gegenseitigen Seelenstreicheleinheiten, wenn sie sich von ihren Qualen erzählen und in fast umstürzlerische Rage reden - Männer als Verlierer der Konsumgesellschaft.

Die Premiere am Samstag wurde gebührend beklatscht, und überhaupt ist das Interesse am „Männerhort" groß: schon vor der ersten Aufführung waren alle angesetzten Termine ausverkauft. Eine Verlängerung wurde bereits angesetzt: von Samstag, 5. Januar, bis Sonntag, 24. Februar, wird das Stück jeweils Samstag um 20 Uhr und sonntags um 18 Uhr aufgeführt.

Jens Eber, Schwäbische Post / 05.11.07

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HNP (06.11.07)

„Schnalle oder Nicht-Schnalle . . . "
Sein oder Mann-Sein: Im „Männerhort" des Schnaitheimer Sassetheaters wird maskuline Dumpfbackigkeit heiter zelebriert


Schamhaare abgelegt in Klarsichtfolien, individuelles weibliches Lustgebrüll und kollektives maskulines Sinnieren, Sperma-Bekenntnisse und rückständehaltige Dessous: Unglaubliches kommt derzeit auf die Bühne des Sasse-Theaters.

Viel Fantasie wird angeregt beim Publikum, weil das reine Männerquartett auf der Bühne zu eben nicht allzuviel Fantasie in der Lage ist. Doch den Schnaitheimer „Männerhort" fand das Premierenpublikum zum Brüllen komisch - obwohl Ulf Koepsel schon für bessere und feinere Inszenierungen gesorgt hat.

Eine Viererbande also steht diesmal im Sasse-„Souterrain": Im Keller irgendwelcher „SchlossArkaden" treffen sich regelmäßig vier Männer, die ihre Defizite kultivieren und zelebrieren. Zuerst einmal sind das kommunikative Defizite, angeblich typisch männlich, die zuerst ihren Frauen gelten (und in ihren Beziehungen auch durchlitten und thematisiert werden), dann aber auch untereinander höchst wirksam sind.

Ein Pilot, ein Programmierer, eine „Führungskraft" (vielleicht - ein Banker?) und schließlich ein Sicherheitsbeauftragter treffen sich samstäglich im Heizungskeller, um dem „Shopping-Scheiss" ihrer Frauen zu entkommen.
Dumpf und mit mehreren Stapeln Bölkstoff hocken sie zusammen und fabeln und faseln vor sich hin. Tolle Hechte wollen sie sein, haben aber doch beständig Angst, als Verlierer zu gelten - was sie bei genauerer Betrachtung ja auch sind, wie sich nach und nach herausstellt.

Angst haben sie, von ihren Frauen entdeckt zu werden; weil sie von diesen aber in drei Fällen bereits den Stuhl vor die Tür gestellt bekommen haben, ist ein weiterer, ungern eingestandener Verlust zu verkraften. „Wir sind richtige Männer", lautet das übergeordnete Credo im Heizungskeller; und als solche darf man ja weder schwach noch unterlegen sein.

Natürlich sind es Klischees, die da Autor Kristof Magnusson ausbreitet - und die Ulf Koepsel mit feinem Sarkasmus inszeniert. Der 31jährige Autor ist gelernter Kirchenmusiker und Literaturwissenschaftler; männliche Dumpfheit also ist bei ihm ein feines Kunstprodukt, an dem man sich hämisch freuen kann. Doch ist diese bräsige Fiktion ja eben nicht frei erfunden - und genau das macht den Reiz des Stückes aus: s\'ist schon was dran an dieser maskulinen Dumpfbackigkeit. Und Ulf Koepsel, der ja auch nicht gerade als unbesonnener Macho bekannt ist, hat die Schwierigkeit, die Figuren ernstnehmen zu müssen, damit die Geschichte überhaupt trägt - und zugleich alles mit feinem Augenzwinkern zu zelebrieren. Das gelingt nach der Pause besser als davor, weil die Handlung dann frisch ins Absurde spielt und Spieler wie Stefan Köck ihrem Affen auch viel unbekümmerter Zucker geben können. Weitgehendes Grimassieren zu Beginn unterfordert seine Fähigkeiten.

Ein wenig schwerer taten sich mit der nuancierten Umsetzung männlicher Begrenztheit die drei Mitspieler Ulrich Bossert, Michael Waibel und Peter Hessenauer, doch setzten sie zielsicher ihre Pointen und sorgten für mitreißende komödiantische Wirkung. Sie bewegten sich mit Schwung im „Spannungsfeld Schnalle oder Nicht-Schnalle", wie einer die Einkaufs-Intellektualität seiner Frau charakterisierte.

Nach und nach bekommen im Stück die Opfer weiblicher Einkaufswut ganz individuellen, umfassenden Opfer-Charakter; das macht die Qualität dieser Komödie aus, die weit mehr ist als eine Farce. Aber wie immer ist das scheinbar Leichte schwer zu meistern und scheinbare selbstzufriedene Dumpfheit nicht ohne weiteres erheiternd umzusetzen. Das Regieteam „Ulf Koepel" und Dorit Zabka hat mit vier guten Spielern arbeiten können, die aber ihren Amateurstatus bei so manchem Seelenstriptease und auch beim gepflegten Klischee nicht durchgehend verleugnen konnten. Vielleicht hätte an der Inszenierung noch ein wenig gefeilt werden sollen - so wirkten im Übrigen auch Spieler und Regieteam beim Schlussapllaus.

Was aber dem Vergnügen des Verarbeitens der Pointen keinen Abbruch tat. Das Publikum hat das richtige Gespür; und nicht ohne Grund waren die Aufführungen der ersten zwei Monate ja schon vor der Premiere ausverkauft. Die angehängten weiteren Aufführungen dürfte der Erfolg auch sicher sein: Der „Männerhort" ist ein großes Vergnügen, eine uneingeschränkt meisterliche Inszenierung ist er nicht.

Manfred Allenhöfer

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